Lavanderia Vecchia – Frisch gestärkt in Neukölln

lavaDie Flughafenstraße ist eine verkehrsreiche Straße in Neukölln, kein gemütlicher Ort. Kleingewerbe ist hier zuhause, und es sieht auch eher nach Arbeit aus, als wir in den zweiten Hinterhof kommen und das Lokal betreten. Ob draußen im Eingangsbereich oder drinnen – überall baumeln Wäschestücke von der Decke, karierte Küchenhandtücher und weiße, altmodisch bestickte Tischdecken – als hätte sie gerade jemand zum Trocknen auf die Leine gehängt. Wie das wohl in früheren Zeiten in der Lavanderia Vecchia, der alten Wäscherei, auch oft genug geschah. Doch macht sich das erstaunlich gut als Dekoration in dem rohverputzten Raum mit den Wänden aus Ziegelsteinen, der ansonsten mit den Holztischen (ohne Tischdecken!) allzu viel Werkstattcharakter hätte. Unkonventionell wie die Räumlichkeiten ist das Konzept der Küche: Noch bevor man sich einen Platz gesucht hat, muss man am Eingang Speis und Trank bezahlen und es stellt sich die Frage: Soll es das ganze Mittagsmenü mit drei Gängen sein? Oder doch nur ein Pasta-Gericht? Wir sind etwas ratlos, ordern zunächst nur Hauptgänge und Getränke, um kurz darauf festzustellen, dass wir eigentlich auch gern vorweg den Salat essen würden, der auf den Nachbartischen einen so appetitlichen Eindruck macht. Also muss einer wieder zur Kasse, und das wird uns noch zwei Mal so gehen, als uns nämlich noch nach einem Dessert, etwas mehr Wasser und Kaffee gelüstet.

Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt an der Alten Wäscherei. Denn das Essen mundet vorzüglich. Nach einem knackigen gemischten Blattsalat – dazu gibt es köstliches, italienisches Weißbrot und bestes Olivenöl – kommen bald unsere Fusilli mit Spinat, die mit klein gehackten Nüssen verfeinert sind sowie die geschmorte Kaninchenkeule mit Süßkartoffelpüree und einer dezenten Tomatensauce, die sich als guter Begleiter von Fleisch und Gemüse herausstellt. Den süßen Abschluss bilden Arme Ritter mit karamellisierten Zwetschen, die sehr viel feiner schmecken als es das Reste-Essen-Rezept verheißt. Auch den Kaffee würde man in einer echten italienischen Bar nicht besser. Darüber, dass der Service nicht in allen Punkten perfekt ist, und das Besteck einmal ein bisschen auf sich warten lässt, sehen wir gern hinweg. Und kommen gern mal zu dem sehr viel üppigeren Abendmenü wieder, das mit vier Gängen und Getränken 45 Euro kostet. Mittags kosten Salat, Suppe oder eine Pasta-Gericht gerade mal 4,90 Euro, das Menü ab 9 Euro, wobei Hartz-4-Empfänger an manchen Tagen sogar kostenlos verpflegt werden. Eure Ulrike Wiebrecht

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Lavanderia Vecchia lavanderiavecchia.de
Flughafenstraße 46 / Neukölln
U-Bhf Boddinstrasse / U-Bhf Rathaus Neukölln

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