Sudaka – lieber Sudoku…

sudakaNicht nur das Oberhaupt der Katholischen Kirche stammt aus Buenos Aires, sondern auch der Chef eines – noch relativ – neuen, aber schon ordentlich gehypten Restaurants in Berlin-Schöneberg: Eduardo Andrés Lopez, der sich in den letzten Jahren in Portugal und Berlin den nicht ganz unprätentiösen Koch-Künstlernamen Chakall gemacht hat. Und wie der Papst ist er an einer besonderen Kopfbedeckung zu erkennen – dem Turban, der offensichtlich das Kosmopolitische an seiner Vita unterstreichen soll. Sein Lokal in der Goltzstraße hat Chakall augenzwinkernd Sudaka genannt, was im Spanischen die abschätzige Bezeichnung für einen Südamerikaner ist und in etwa unserem Kanacke entspricht. Hier steht es für einen Crossover der lateinamerikanischen Küchen von Feuerland bis zum Machu Picchu.

Der scheint gut anzukommen. Am Wochenende bleibt hier in den großzügigen Räumlichkeiten mit den unverputzten Ziegelsteinen kein Tisch frei, ohne Reservierung geht gar nichts. Ganz anders am Montag, als wir abends gegen 21.30 Uhr in das Lokal kommen: Nur zwei oder drei Tische sind besetzt, ansonsten herrscht gähnende Leere. Der Meister ist auch nicht da. Wie wir hören, ist er auf Reisen. Ob er seinen Landsmann im Vatikan besucht? Egal, wir vertrauen darauf, dass seine Mannschaft alles im Griff hat. Kaum haben wir Platz genommen, wird uns der Gruß aus der Küche – Chips aus Süßkartoffel und Maniok noch mit einer Käsecreme – hingestellt. Auch die Cocktails lassen nicht lange auf sich warten – ein guter Maracuja-Daiquiri und ein etwas wässriger Pistón, dem ich den köstlichen Pisco Sour meiner Freundin Micaela Chávez vorgezogen hätte. Und dann kommt auch schon das Essen: Vom Geschmack her überzeugt das typisch peruanische Ceviche, der marinierte Fisch bildet mit Zwiebeln, Koriander und Limettensaft eine ausgewogene Mischung. Doch erweist sich die Miniportion eher als Vorspeise, der noch einiges folgen müsste. Auch die bahianische Suppe, die der Küchenchef von seinen Brasilien-Aufenthalten mitgebracht hat und bei der Kürbis und Koskosmilch die Grundlage bilden, ist ein überschaubares Portiönchen, in dem gerade mal drei kleine Crevetten schwimmen. Mit der argentinischen Chorizo-Wurst in relativ öliger Chimichurri-Soße ist Gustavo indes zufrieden. Als Abrundung wären jetzt die Coxinhas de Galinha gut gewesen, die wir bestellt hatten – mit Hühnchenfleisch gefüllt Kroketten, wie sie in Brasilien lieben gelernt haben. Aber die Kellnerin, die mit den Speisen noch nicht ganz vertraut ist, bringt uns stattdessen frittierte Garnelen. Um nicht unnötig zu nerven, lassen wir uns auf den Tausch ein – und müssen gleich erkennen, dass das ein Fehler war. Denn unter der zu harten, trockenen Kruste verstecken sich ziemlich ausdruckslose Meeresfrüchte. Auf ein Dessert verzichten wir und kommen zu dem Schluss, dass wir für fünfzig Euro anderswo – nicht nur mengenmäßig – mehr bekommen hätten. Zum Beispiel im Caminito, einem eher unscheinbaren, aber sympathischen Argentinier. Da wird zwar ohne Turban, doch garantiert mit Liebe gekocht. Eure Ulrike Wiebrecht

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Sudaka sudaka.de
Goltzstraße 36 / Schöneberg
U-Bhf Eisenacher Strasse

Bessere Wahl:
Caminito caminito-berlin.de
Katzbachstr. 9 / Kreuzberg
U-Bhf Yorckstrasse

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