Tavernaki – schade drum

Die Ecke ist keine Laufgegend. Hier hofft man auf die umliegenden Anwohner und das sich mal ein Tourist verläuft, der den Weg zum Charlottenburger Schloß nicht findet. Wer hier ein Restaurant eröffnet muss was bieten, damit die Leute regelmässig kommen. Ich war voller Hoffnung, als sich nach Wochen des Leerstands jemand entschloß frischen Wind in die Gastroszene zu bringen. Endlich mal wieder ein Grieche. Die Inneneinrichtung ist übersichtlich, nicht überladen, ein paar rustikale Holztische und die für Griechenland so üblichen geflochtenen schmalen Stühle, deren Ecken einem nach einer Weile in die Beine drücken. Auf einem Regal an der Wand ein paar griechische Produkte, die man demnächst direkt hier kaufen kann. Soweit so gut, es lässt sich ganz ordentlich an. Mit den Speisekarten wird sofort ein Ouzo gereicht. Aha, ein kleiner Willkommensgruß. Draußen an der Tafel werden gegrillte Dorade und Wolfsbarsch angeboten, sowie Kalbsleber. Auf der Karte stehen weitere ca. 100 Gerichte zur Auswahl. Oh weh…  Wenn das alles liebevoll zubereitete „mezze“ Vorspeisen wären, wunderbar, aber das hier zur Wahl stehende ist das was man schon seit den 70ern kennt, inklusive der immer wiederkehrenden Grillplatte. Nun gut. Wir sind zu fünft und beginnen mit der gemischten Vorspeisenplatte warm/kalt. Die Zucchinischeiben und der in Blätterteig gehüllte Käse sind zu dick paniert, frittiert und kommen sehr fettig auf den Tisch. Darunter versteckt, ein paar dicke Bohnen in Tomatensauce mit Zwiebeln und mehrere kalte Dips: Zatziki, Fischrogensalat, pürierter Schafkäse, Auberginensalat, Kartoffelpüree mit Knoblauch. Selbst angemacht? Vielleicht der Schafkäse, bei allem anderen tippen wir auf Großmarkteinkauf.  Das dazu gereichte Fladenbrot ist aufgebacken und schmeckt nach nix. Als Hauptgerichte entscheiden wir uns für die beiden Fische vom Grill, der Kalbsleber, nehmen einen Grillteller (eine sentimentale Entscheidung…) und einmal Gyros im Ofen überbacken mit Käse. Die Fische sind wunderbar gegrillt, die Haut knusprig und mit der richtigen Menge Öl, Zitrone und Petersilie. Der Ober weiß zwar nicht was die Dorade, was der Wolfsbarsch ist, aber das macht nix. Dazu gibt es ein bisschen Gemüse, was von der Zubereitung an ein Krankenhausessen erinnert, denn Blumenkohl, Broccoli und Möhren sind verkocht und nicht gewürzt. Lassen wir also stehen, ebenso wie den dazu gereichten Salat. Harte grüne Blätter aus denen noch nicht einmal der Strunk herausgeschnitten wurde, fade angemachter Krautsalat, ein bisschen Tomate und Gurke und das in einer total langweiligen Sauce. Auf dem Grillteller schmeckt das Fleisch, wohl weil es gegrillt ist, aber die Beilagen wie der Reis sind fade, bleiben also zurück. Das überbackene Gyros wird komplett aufgegessen, jedoch eher aus Hunger, denn aus Gaumenfreude; die Kalbsleber schmeckt dagegen wieder gut.

Tja, und nun? Nur das nehmen, was auf der Tageskarte steht? Nein, lieber wieder den Griechen wechseln. Der Gastronom, der den Trend nicht erkennt, dass weniger mehr ist und Qualität immer besser als Quantität, hat selber Schuld.

€€
Tavernaki
www.tavernaki-berlin.de
Tegeler Weg 104 / Charlottenburg
U-Bhf Mierendorffplatz

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